Demografischer Wandel im Westmünsterland

Publizist und Demografieexperte Dr. Winfried Kösters zu Gast bei der Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland / Auswirkungen auf die Region und Handlungsnotwendigkeiten im Fokus

03.06.2014

Westmünsterland. Mit den drei Worten »Weniger«, »Bunter« und »Älter« beschreibt Dr. Winfried Kösters, Publizist und  ausgewiesener Fachmann für die Fragen und Folgen des demografischen Wandels, die Eckpfeiler der  Entwicklung: „Die deutsche Bevölkerung wird schrumpfen und sich in ihrer Struktur nachhaltig verändern. Diese Entwicklung ist irreversibel, denn es fehlt bereits eine ganze Generation, die keine Kinder mehr zeugen kann“, zeichnete Kösters in seinem Gastvortrag auf der Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland im Forum Mariengarden in Borken auf. Immer weniger junge Menschen müssten immer mehr alte Menschen versorgen. „Was das aber konkret für Folgen hat, wer etwa die Rollstühle schieben soll, darüber macht sich niemand Gedanken.“

Gab auf der Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland Handlungsempfehlungen zum Thema "Demografie im Westmünsterland": Dr. Winfried Kösters

Um die Brisanz des Themas zu erfassen, sei ein gesellschaftlicher Mentalitätswandel nötig, der mit einer nachhaltigen Politikkursänderung einhergehen muss. „Wir müssen endlich umdenken“, fordert Kösters. Die deutsche Gesellschaft solle endlich konzeptionell handeln, will sie nicht immer hektischer auf die Auswirkungen dieses Wandels reagieren, forderte Kösters auf. „Wir werden in Deutschland weniger Kinder haben, deutlich älter werden und uns um mehr Betagte kümmern müssen sowie nachhaltig bunter werden. Das Bild der multikulturellen Gesellschaft wird von der Multiminoritätengesellschaft abgelöst. Neben dem Klimawandel wird kein anderes Thema unser Land nachhaltiger verändern und damit beschäftigen“, so die Prognose des Demografen Dr. Kösters zur Zukunft unseres Landes.

Da dieser Wandel wirklich alle – jede Familie, jede Kommune, jede Branche, jeden Berufszweig und vor allem jeden Arbeitgeber und Arbeitnehmer – betreffe, gelte es heute die Weichen für das Leben 2030 zu stellen. „Zukunft zu gestalten heißt Ziele zu formulieren: Wie wollen wir, auf der Grundlage des demografischen Wandels, künftig leben, wohnen, arbeiten?“ Diese Fragen, so Kösters, gelte es zu beantworten. Nur wer die kommenden Entwicklungen wahrnehme, könne gestaltend eingreifen. Wer aber vor der Wirklichkeit die Augen verschließe, würde über kurz oder lang vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Dr. Kösters konkretisierte seine Ausführungen auch auf das Westmünsterland mit seinen regionalen Spezifika. Zwar seien die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung hier aktuell noch nicht so dramatisch wie in anderen Regionen, aber es gelte umso mehr, regional- und branchenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen wie etwa die Bedrohung der Infrastruktur in den kleineren Gemeinden oder der sich bereits abzeichnende Fachkräftemangel in bestimmten Berufsgruppen.

Wunderlösungen hat auch Kösters, der selbst viele Jahre in der Kommunalpolitik aktiv war, nicht parat. Nach eigenen Angaben sind es mittlerweile aber 75 Kommunen (Kreise, Städte, Gemeinden), die er in punkto demografischem Wandel berät. Dazu gehört auch, dass der Dialog über die Zukunft nicht einer oder zwei Generationen überlassen werden darf: „Daran müssen alle mitarbeiten, von null bis 100 Jahren.“ Denn ein „weiter so“ könne es nicht geben: „Was soll die gut ausgebildete junge Generation in einem Land halten, das nur Politik für Ältere macht?“

Vertreterversammlung 2014 VR-Bank Westmünsterland
Gespräch im Kreuzgang: Berthold te Vrügt, Dr. Wolfgang Baecker, Referent Dr. Winfried Kösters und Georg Kremerskothen (v.l.) vor der Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland in Burlo.

Zur Person:
Dr. Winfried Kösters wurde 1961 in Rheine geboren und lebt heute mit seiner Familie in Bergheim. Nach dem Studium der Politik- und Publizistikwissenschaften sowie Neuere und Mittlere Geschichte in Münster begann er seine journalistische Karriere 1984 beim ZDF in der Redaktion des Heute-Journals. Von 1987 bis 1992 war er in der Chefredaktion und als Produktmanager bei der Verlagsgruppe Deutscher Wirtschaftsdienst in Köln tätig. Seit 1994 arbeitet Kösters als selbstständiger Journalist, Publizist, Berater und Moderator und ist ein bundesweit gefragter Redner.

Er hat zahlreiche Aufsatzpublikationen zu den Themenbereichen Gesundheit (Selbsthilfe, Allergien), Umwelt (Umweltverhalten in Unternehmen, Umweltpolitik), Kinder / Jugend, Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Sponsoring, Kommunalpolitik und zum demografischen    Wandel veröffentlicht. Wie der demografische Wandel Deutschland verändern wird, hat er in seinem Buch „Weniger, Bunter, Älter“ aufgegriffen. Das Buch soll helfen, das Phänomen des demografischen Wandels zu verstehen und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, um künftige politische sowie gesellschaftliche Innovationen zielorientiert auf den Weg zu bringen.